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Zum 100. Geburtstag von Franz Morat
Am 27. April 2011 wäre der weit über die Region hinaus bekannte Unternehmer 100 Jahre alt geworden.
Als zweiter Sohn von Franz Morat sen. und Theresia geb. Klaiber erblickte er am 27. April 1911 in Eisenbach das Licht der Welt. Zu diesem Zeitpunkt führte sein Vater zusammen mit den Brüdern Joseph und Hermann das im Jahre 1863 auf dem Höchst gegründete Unternehmen Johann Morat u. Söhne. Im August 1912 entschlossen sich die drei Brüder, diese offene Handelsgesellschaft in zwei Gesellschaften mit eigener Firmierung umzuwandeln.
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Nach dem Besuch der Volksschule Eisenbach und der Neuburg-Oberrealschule in Freiburg, wo er im Jahre 1930 das Abitur ablegte, begann Franz Morat ein Studium des Maschinenbaus an der Technischen Hochschule in Karlsruhe. Nach nur drei Semestern brach er das Studium auf Wunsch seines Vaters ab, um dem durch die Weltwirtschaftskrise in Schwierigkeiten geratenen Betrieb neue Absatzmärkte zu erschließen. Zu diesem Zweck begab er sich im Februar 1932 nach Paris. Da er noch nicht volljährig war, musste er zur Anmeldung in Neuilly die Unterschrift seines Vaters präsentieren. In diesem Pariser Vorort gründete er die Firma Framex, die dem Vertrieb der Erzeugnisse seines Vaters und seines Bruders Hugo diente. Hierzu zählten die patentierten Photo-Selbstauslöser und Zeitschalter für Autowinker. Man stelle sich vor: In den ersten Monaten montierte er diese Produkte im Hotelzimmer auf einem Brett, bis er schließlich einen kleinen Betrieb mieten konnte. Mit dem Motorrad – einer englischen Royal Enfield – pendelte er, einen Rucksack auf dem Rücken, zwischen Paris und Eisenbach, um neue Einzelteile zu beschaffen.
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Obwohl sich die Entwicklung wegen der latenten Deutschfeindlichkeit in Frankreich ("On achète pas chez les boches" -" Les boches payeront tout") kompliziert gestaltete, war er schon bald so erfolgreich, dass er bereits 1936 einen Buick und ein Sportflugzeug für die regelmäßigen Flüge nach London erwerben konnte. Dort hatte er im gleichen Jahr ein weiteres Unternehmen im Bereich Kfz-Zubehör gegründet. Im Jahre 1937 erfolgt die erste Schiffsreise in die USA zum Abschluss eines Lizenzvertrages mit einem der bedeutendsten nordamerikanischen Hersteller von Autozubehör. Bei dieser Schiffsreise lernt er seinen zukünftigen Schwiegervater kennen.
Ende August 1939, kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs, musste er Paris Hals über Kopf verlassen, um der Inhaftierung in einem Internierungslager zu entgehen. Mit der französischen Niederlage im Juni 1940 kehrte er in seinen Pariser Betrieb zurück. Gleichzeitig wurde er vom Rüstungskommando zum Betriebsführer in Eisenbach ernannt. Dem mit diesem Vorgang eigentlich zwingend verbundenen Beitritt zur NSDAP konnte er sich bis zum Kriegsende erfolgreich entziehen, indem er die vom Neustädter Kreisleiter Kuner ihm aufgedrängten Unterlagen mehrfach zwischen Paris und Neustadt hin- und herschicken ließ.
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Am 1. Juni 1940 heiratet er in Eisenbach Anneliese Charlotte Wilhelm aus Wiesbaden. Aus dieser Ehe wurden zwei Kinder geboren, Franz Armin im November 1943 und Gisela Christiane im Oktober 1945.
Unmittelbar nach Kriegsende wurde Franz Morat von den französischen Behörden wegen Kollaboration mit den Deutschen unter Anklage gestellt und im Untersuchungsgefängnis von Fresnes inhaftiert. Da er die deutsche Staatsbürgerschaft nie aufgegeben hatte, wurde er nach drei Monaten freigesprochen und aus der Untersuchungshaft entlassen. Allerdings wurde er wegen "Wirkens zum Schaden Frankreichs" zur Konfiskation seiner Besitztümer in Paris verurteilt. Gleichzeitig wurde der Eisenbacher Betrieb noch bis ins Jahr 1949 hinein durch die sogenannte Demontage schwer beeinträchtigt. Dies war auch der Grund dafür, dass er sich nach wirtschaftlichen Aktivitäten in der amerikanischen Zone umsah. In diesem Zusammenhang boten ihm die amerikanischen Besatzungsbehörden den Betrieb eines Herstellers von Rundstrickmaschinen in Stuttgart-Vaihingen an. Dessen Besitzer war von den Amerikanern wegen seiner SS-Zugehörigkeit die Weiterarbeit verboten worden. Im Sommer 1945 übernahm Franz Morat auf Drängen des damaligen Direktors der Deutschen Bank, Karl Butsch, die Firma Fritz Hellige & Co. GmbH in Freiburg, einen Hersteller elektro-medizinischer Geräte. Der Stuttgarter Betrieb wurde zunächst der Firma Hellige angegliedert. Im Jahre 1947 wurde die Firma Hellige Morat & Co. GmbH in Stuttgart-Vaihingen gegründet.
Sein Wissen um die Leistungen der noch jungen Elektronik brachte Franz Morat auf die Idee, Elemente dieser Technologie auf den Bereich des Maschinenbaues zu übertragen. Dies war zweifellos eine Pioniertat. Substantiell beigetragen zu dieser Pioniertat haben der Ingenieur Dr. Jan Friedrich Tönnies, der bereits in einem Forschungsinstitut der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft in Berlin-Buch 1936 den ersten Direktschreiber zum Elektrokardiographen entwickelt hatte, und der Neurologe Prof. Dr. Richard Jung, der die parallel laufenden Forschungen zur Entwicklung des Elektroenzephalographen vorangetrieben hatte. Nur auf der Grundlage dieser Entwicklungen konnte Franz Morat zu einem sehr viel früheren Zeitpunkt als alle seine Konkurrenten auf den Gedanken einer Verknüpfung von Maschinenbau und Elektronik kommen.
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Nach 15 jähriger Entwicklungsarbeit wurde 1963 die erste vollelektronisch gesteuerte Rundstrickmaschine der Welt, die "Moratronic" gebaut und auf der 4. Internationalen Textilmaschinen-Ausstellung 1963 in Hannover vorgestellt. Der weltweite Durchbruch erfolgte auf den Textilmessen 1967 in Basel und Paris. Die rasante Entwicklung machte es erforderlich, in Bonlanden ein neues Werk zu errichten, wobei im Jahre 1971 mit bereits 2500 Beschäftigten ein Umsatzvolumen von nahezu 300 Mio. DM erreicht wurde. Diese Expansion mit großen Investitionen war nur durch Anlehnung an den Schweizer Maschinenbaukonzern Sulzer möglich. Dieser übernahm in Etappen die Mehrheit der Geschäftsanteile und so erfolgte im Jahr 1974 die Namensänderung in Sulzer Morat GmbH. Das Stammhaus Eisenbach partizipierte an diesen Expansionen. Das seinem Vetter Josef Morat im Jahre 1948 zur Leitung übergebene Stammwerk wurde zunächst im Jahre 1963 durch ein neues Gebäude vergrößert. Notwendige Betriebsvergrößerungen erfolgten in den Jahren 1972 und 1985. In dem freigewordenen Altbau gründete am 01.04.1963 Oskar Haberstroh mit seinem Vetter Franz Morat die Kunststoff-Spritzgießerei F. Morat & Co. GmbH. Im Jahre 1968 wurde in Kenzingen ein Zweigbetrieb zur Herstellung von Fournisseur-Motoren für die Rundstrickmaschinen aufgebaut.
Franz Morats rastlose und erfolgreiche unternehmerische Tätigkeit blieb nicht ohne gesundheitliche Folgen. Diese veranlassten ihn Mitte der siebziger Jahre, sich zunehmend aus den geschäftlichen Tätigkeiten zurückzuziehen. Im Jahre 1975 wurde er zum Ehrenbürger der Gemeinde Eisenbach ernannt, er unterstützte einheimische Vereine großzügig. Im Jahre 1977 übergab er die Geschäftsanteile an seine Kinder Gisela Brake-Morat und Franz Armin Morat. Er selbst blieb dem Unternehmen als Beiratsvorsitzender verbunden.
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Am 26.04.1986 feierte er in der Wolfwinkelhalle mit der gesamten Belegschaft und einheimischen Vereinen seinen 75. Geburtstag. Dabei wurde ausführlich das Lebenswerk eines Unternehmers gewürdigt, der mit Weitblick und Standhaftigkeit schwierige Jahre überstanden hat. Der Aufstieg der deutschen Wirtschaft aus den Kriegstrümmern war nicht nur ein "Wirtschaftswunder". Es war das Ergebnis harter Arbeit von Unternehmern mit gutem Gespür und Mut für das Machbare.
Nach einem arbeitsreichen und erfolgreichen Leben starb Franz Morat am 09.10.1986 an seinem Wohnsitz in Genf. Aus Anlass seines 100. Geburtstags erinnern die Eisenbacher Betriebe Framo Morat GmbH & Co. KG und F. Morat & Co. GmbH heute an die wichtigste Unternehmerpersönlichkeit in ihrer Firmengeschichte. |
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